Drive Awake · Perspectives · Kultur
Rund einen Monat lang ändert sich der Rhythmus von Schlaf und Mahlzeiten, und die Schläfrigkeit am Tag nimmt zu. Das zu erkennen und die Fahrt anzupassen, ist Prävention, mit Respekt.
AnalyseRund einen Monat lang fasten Millionen von Menschen - in der Schweiz ein Teil der etwa 6% muslimischen Glaubens - von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Das Mahl vor der Morgendämmerung, das Suhoor, und die abendlichen Wachzeiten zerstückeln den Schlaf: man schläft weniger und zu anderen Zeiten. Das ist niemandes Fehler: es ist das, was mit dem Körper geschieht, wenn sich die Zeiten von Mahlzeiten und Ruhe verschieben.
Weniger Schlaf und ein gestörter Rhythmus bedeuten mehr Schläfrigkeit tagsüber, die am Steuer die Wachsamkeit senkt und die Reaktionszeiten verlängert - nicht durch Muskelermüdung, sondern durch Schlafdefizit. Eine Analyse der Unfalldaten (Zeitreihenstudie, Provinz Guilan, Iran, 2013-2016) hat während des Ramadan, bei gleichem Verkehr und sonst gleichen Faktoren, eine Zunahme der Unfälle um 14% und der Verletzten um 19% gemessen (DOI 10.1186/s12889-025-21980-5). Das ist ein Kontextsignal, kein Urteil über die Schweiz: mit der Vorsicht der Übertragbarkeit auf das reale Fahren zu lesen.
Das ist nicht das Problem einer Gruppe: es ist ein vorübergehender, situativer Zustand, der durch den Kalender wandert und mit dem Monat endet. Darüber zu sprechen ist eine Geste der Fürsorge gegenüber einem Teil des Publikums, das auf denselben Strassen fährt, kein erhobener Zeigefinger. Schläfrigkeit am Steuer hat weder Religion noch Pass: es ändert sich nur der Anlass, bei dem sie auftritt.
Wenige konkrete Dinge, ohne medizinische Vorschriften. Ein Schlaffenster rund um das Suhoor schützen, auch ein kurzes. Ein kurzer Powernap von wenigen Minuten, bevor man sich ans Steuer setzt, wenn möglich. Achtung auf die Stunden, in denen die Schläfrigkeit am stärksten wiegt, der frühe Nachmittag und der späte Tag vor dem Iftar: wann, zeigt das zirkadiane Signal der Strasse. Und die Regel, die immer gilt: wer schläfrig ist, fährt nicht. Für klinische Themen - Apnoe, Schlafstörungen, Medikamente - führt der Verweis zur Wissenschaft, in Sleep Science.
Fürsorge, nicht Schuld
Es ist dasselbe Prinzip wie in unserer ganzen Arbeit: eine Gefahr vorher erkennbar machen, nicht nachher strafbar. Auch hier, die Gefahr ohne Signal.
Ramadan und Verkehrsunfälle: Zeitreihenstudie, Provinz Guilan (Iran), 2013-2016, DOI 10.1186/s12889-025-21980-5.
Wissenschaftlicher Kontext: IRM Zürich, DOI 10.1021/acs.jproteome.5c01064; EOC Neurocentro.
Terminologie: Schläfrigkeit, nie Müdigkeit. Mit Respekt behandelt, ohne identifizierende Details.
Wach bleiben, am Steuer und im Leben.